Freitagsorgel: Lobgesänge III, Nunc Dimittis

freitagsOrgel

Drei Konzert-Abende sind wieder überschrieben mit dem Titel „freitagsOrgel“. Johann Sebastian Bach hat in diesem Jahr seinen 333. Geburtstag. Im Neuen Testament, im Lukas-Evangelium, stehen drei Lobgesänge, benannt jeweils mit den Namen ihrer ersten (Vor-)Sänger: Zacharias, Maria und Simeon, oder mit ihren lateinischen Bezeichnungen, die jeweils das erste Wort zitieren: Benedictus, Magnificat, Nunc dimittis. Während diese drei Gesänge gleichermaßen weltweit täglich gesungen werden, meist in den Stundengebeten geistlicher Kommunitäten auf gregorianische Weise, sind sie als Übertragungen in Strophenlieder oder in Ausarbeitung umfänglicherer Kompositionen unterschiedlich berücksichtig worden. Findet man zum Magnificat, dem Lobgesang der Maria, sehr viel, ist es schon deutlich weniger, was zum Nunc dimittis, dem Lobgesang Simeons, komponiert wurde. Benedictus-Vertonungen gibt es auf den ersten Blick viele, diese beziehen sich aber auf einen anderen Text, der mit dem Wort „Benedictus“ beginnt: dem aus der Abendmahlsfeier in der Messe. Der Lobgesang des Zacharias führt fast eine Art Schattendasein. Dennoch ist es gelungen, für jedes dieser drei biblischen Lieder interessante Beispiele zu finden, und diese werden nun von Chor und Orgel(n) jeweils neben einem größeren freien Bach-Orgelwerk vorgetragen. Somit führen die drei Abende inhaltlich auch den Musikalischen Gottesdienst am Anfang des Musiksommers fort.

Die Winzer-Orgel von 1847

Die Orgel auf der Westempore der Schönberger St.- Laurentius-Kirche wurde 1846/47 von dem Wismarer Orgelbaumeister Friedrich Wilhelm Winzer als zweimanualige mechanische Schleifladenorgel erbaut und steht für eine gelungene Balance zwischen Tradition und damaligem Fortschritt. Winzers Thüringische Herkunft verrät sich an dem großen Reichtum an Flötenstimmen in seinen Orgeln, seine künstlerische Kompromisslosigkeit an den stets am Konzertgebrauch orientierten Manual- und Pedalumfängen.

Die Schönberger Orgel war eine seiner ersten größeren und ist seine größte erhaltene. Seit ihrer Restaurierung 2006-2008 durch Schuke Potsdam verfügt sie über 26 Register und wieder über in Zinn und in den ursprünglichen Maßen gefertigte Prospektpfeifen, deren Originale leider – wie auch zwei bronzene Glocken aus dem Turm – 1917 für Kriegszwecke beschlagnahmt und eingeschmolzen wurden.

Der Bau der Orgel zog sehr bald eine Professionalisierung der Kirchenmusik in Schönberg nach sich, wie es sich der Initiator des Orgelbaus, Pastor Johann Heinrich Fischer, erhofft hatte. Zu welchen Anlässen und auf welche ihrer vielfältig möglichen Weisen sie auch immer erklungen sein mag: ihr Klang verbindet uns mit allen anderen Menschen, die ihn schon vernommen haben oder noch vernehmen werden.

Ort: St.-Laurentiuskirche Schönberg

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