Das Instrument des Jahres 2021 – DIE ORGEL!

Felix Mendelssohn Bartholdy: Praeludium und Fuge c-Moll op. 37.1
Johann Sebastian Bach: „Schmücke dich, o liebe Seele“ BWV 654
Robert Schumann: Sechs Fugen über den Namen BACH op. 60

KMD Christoph D. Minke an der historischen Winzer-Orgel von 1847

2021 wurde vom Deutschen Musikrat sowie vielen Landesmusikräten die Orgel als „Instrument des Jahres“ ausgerufen. In Schönberg besitzen wir ein gleichermaßen typisches wie herausragendes Beispiel romantischer Orgelbaukunst – auf der damaligen Höhe der Zeit, und dabei doch fest verwurzelt in der Tradition, alles dies auf hohem handwerklichen wie künstlerischem Niveau.

Der Bau der Orgel 1847 fiel in eine Zeit, die langsam aber sicher die Musik Bachs zum Maßstab machte, auch wenn sie anders erklang als zur Zeit ihrer Komposition. Auf dem Weg dieser „Bach-Renaissance“ spielte Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) eine herausragende Rolle. Er führte 100 Jahre nach der Uraufführung Bachs Matthäus-Passion wieder auf, sammelte mit Orgelkonzerten Geld für ein Bach-Denkmal in Leipzig und eiferte auch kompositorisch dem bewunderten Meister nach, ohne seine eigene Epoche zu verleugnen. Als Mendelssohn einmal Bachs Bearbeitung über den Choral „Schmücke dich, o liebe Seele“ zur Aufführung brachte, war Robert Schumann (1810-1856) zugegen und zu Tränen gerührt – sowohl von dem Werk selbst als auch dessen Darbietung durch den verehrten Kollegen und Freund auf der Orgel.

Auch Schumann beschäftigte sich sowohl mit Bachs künstlerischem Vermächtnis als auch der Orgel. Von ihm stammt der berühmte Ausspruch:

„Gehst du an einer Kirche vorbei und hörst die Orgel darin spielen, so gehe hinein und höre zu. Wird es dir gar so wohl, dich selbst an die Orgelbank setzen zu dürfen, so versuche deine Finger und staune vor der Allgewalt der Musik.“

Die Komposition seiner Sechs Fugen über den Namen BACH op. 60 erfüllt gleich mehrere Ziele: die kompositorische Verbeugung vor dem Meister Bach, die Aneignung einer bestimmten kompositorischen Technik, der Versuch, mit dieser äußerlich zunächst streng anmutenden Technik die eigene Kreativität zu kanalisieren und fokussieren, dem verehrten und geliebten Instrument Orgel endlich ein eigenes Werk „auf den Leib“ zu schreiben, der alten Werkgattung „Fuge“ etwas Neues hinzuzufügen, schließlich über die gesammelten Erfahrungen mit Kollegen in den Austausch zu treten, weshalb die Sechs Fugen zur Veröffentlichung bestimmt wurden. Entstanden sind nicht nur eine Aneinanderreihung dieser Charakterstücke in Fugentechnik, sondern eine Großform sinfonischen Ausmaßes sowohl in Länge als auch Ausdrucksgehalts.

Die Schönberger Winzer-Orgel erweist sich als zeitgenössisches Instrument ideal für diese Musik.

Ort: St. Laurentiuskirche

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