Heinrich Schütz - Matthäuspassion

Passionsmusiken von HEINRICH SCHÜTZ (1585-1672)

10. April 1665 – Heinrich Schütz (1585-1672), der bedeutendste protestantische deutsche Komponist vor Johann Sebastian Bach, signiert und vollendet somit seine Johannes-Passion. Exakt 350 Jahre später sollte sie in Schönberg erklingen, aber 2020 erklang in Schönberg nichts dergleichen, wie wir wissen, also auch nicht die anderen beiden Passionen des Komponisten, die der Chor schon geprobt hatte.
Nachdem im vergangenen Jahr nach einer nur sehr kurzen Probenzeit wenigstens die Lukaspassion wieder dargeboten werden konnte, soll nun das ganze Projekt, alle drei Passionen in einem Jahr aufzuführen, endlich Wirklichkeit werden.

Den Anfang macht am Sonntag, den 26. März 2023 um 10.00 Uhr morgens die Lukaspassion. Der Sonntag trägt traditionell den Namen „Judika“, mit ihm beginnt der „engere Kreis“ der Passionszeit. Am Sonntag darauf, dem 2. April 2023, „Palmarum“, wird ab 10.00 Uhr die Matthäuspassion aufgeführt. Am Karfreitag dann, dem 7. April 2023, wird zur Sterbestunde Jesu um 15.00 Uhr die Johannespassion gesungen.

Der Kirchenchor St. Laurentius Schönberg mit seinem Leiter, KMD Christoph D. Minke, widmet sich seit Jahren den Passionsmusiken von Heinrich Schütz. Lange Zeit her ist die Aufführung der „Sieben Worte am Kreuz“, erst vor fünf Jahren erklang die Matthäus-Passion, mehrfach in den Jahren davor sowie im vergangenen die Lukas-Passion. Dass die drei Schütz-Passionen nun hintereinander erlebbar gemacht werden, folgt der Absicht des Komponisten. Auch wenn dies heutzutage nur selten so gehalten wird, war es doch traditionsgemäß einst so gedacht.

Schütz ging dabei so vor, dass er eine reine a-cappella-Formation vorsah, also ein Ensemble ohne jegliche instrumentale Unterstützung. Er vertonte nichts als den Bibeltext, umrahmte diesen aber mit einer Einleitung und einem zusammenfassenden Vers eines Kirchenliedes.
So ähnlich die Besetzung der drei so entstandenen Werke auch ist – unbegleiteter Sologesang und Chor – so unterschiedlich ist die „Grundfarbe“ der Kompositionen. Schütz folgt damit der Intention der Evangelisten, die ihrerseits ja gar nicht an einem genauen Report der Passionsgeschichte ein Interesse hatten, sondern gleich eine Interpretation des Geschehens anboten.

Bei Lukas ist es bei allem Leid die Freude über die Erlösung aller Menschen. Bei Matthäus, der ähnliche Quellen wie Lukas benutzte, tritt die Dramatik der Ereignisse in den Vordergrund. Johannes, der etwas später sein Evangelium verfasste, deutet das Leiden und Sterben Jesu dialektisch.

Diese unterschiedlichen Herangehensweisen hat sich Schütz zu eigen gemacht, indem er die Grundtonarten entsprechend wählte. Er stützte sich dabei auf die alten Kirchentonarten, die vor der späteren Dur-Moll-Polarität bestimmendes Element im Grundaffekt einer Musik waren. Sie zeichnen sich für heutige Hörer einerseits durch eine Uneindeutigkeit zwischen Dur und Moll aus. Andererseits ermöglichen sie mehr Variabilität beim Ausdruck der jeweils darzustellenden Situationen. Zuhörende im 17. Jahrhundert dürften dies grundsätzlich anders empfunden haben, doch nach dem Einhören auf diese Musik wirken die Werke frisch wie je.
Alle drei Schönberger Aufführungen bekommen einen liturgischen Rahmen.

Jeweils dabei sind Raphaël de Vos (Jesus-Worte), der Kirchenchor St. Laurentius Schönberg mit weiteren Solisten sowie KMD Christoph D. Minke (Evangelist und Leitung). Der Eintritt ist frei.

Foto: Heiko Preller
Veranstalterin ist die Ev.-Luth. Kirchengemeinde Schönberg.

Ort: St.-Laurentiuskirche Schönberg

Zurück