Der neue Spielplan für die aktuelle Saison ist veröffentlicht

Ob Bach an der historischen Winzerorgel, Kammermusik, Chorgesang, experimentelle Musik vom Computer, Oratorien oder Filmvorführungen – viele Interessen werden angesprochen und Lust auf Neues wird geweckt. Wie schon bei Grundschülern während der Kinderkonzerte in Zusammenarbeit mit den „SOS-Kinderdörfern weltweit“. Dazu moderate Eintrittspreise, Ausstellungen und nette Gespräche bei Wein und Laurentiustalern unter alten Bäumen – so sehen Dienstagabende in Schönberg aus.

Nein, das ist kein Jubiläum im engeren Sinne, aber doch ein Zeichen für Kontinuität! Auf seine Wurzeln als kirchenmusikalisches Musikfest verweist der Beginn: ein musikalisch besonders liebevoll gestalteter Gottesdienst. Nicht, dass das selten wäre in Schönberg – der Schönberger Musiksommer ist gewissermaßen ein Schaufenster für eine ganzjährige Arbeit. Und genau dies möchten wir mit dieser Form des Beginns zum Ausdruck bringen.

Kirchenmusik ohne Bach ist kaum denkbar, wo er nicht „leibhaftig“ auftaucht (z.B. im Eröffnungsgottesdienst, in den Konzerten am 14. Juli, 21. Juli, 24. Juli, 4. August und 28. August), ist er im Geiste anwesend: „Tesselating BACH“ heißt es am 16. Juni, wobei das Bild des Mosaiks auch für den Schönberger Musiksommer gelten könnte. Die Orgelkonzerte, die in der besonderen Reihe „freitagsOrgel“ präsentiert werden, ranken sich ebenfalls um den berühmtesten aller Thomaskantoren, auch wenn die Komponisten Mendelssohn, Dupré und Schumann heißen.

So reicht Bachs Einfluss weit in die konzertante Welt, und dass er seine Freude an der konsequenten Polyphonie von Elbtonal Percussion (23. Juni)  oder Aranis (18. August) sowie den Abenden mit improvisierter Musik z.B. mit dem Massoud Godemann Trio (17. Juli) und der singenden Pianistin Clara Haberkamp (1. September) gehabt hätte, unterstellen wir hier virtuos.

Doch nicht nur der technische Aspekt von Musik oder der reine Wohlklang spielt dabei eine Rolle – es ist ebenso im Sinne Bachs, wenn die Musik einen Inhalt hat, sie andere Welten öffnet als die rein materielle Seite des Lebens, und wenn es sich lohnt, sich mit ihr auseinanderzusetzen.

Als Höhepunkte einer solchen Haltung und Herangehensweise nennen wir die Konzerte des Estnischen Vokalensembles Heinavanker (25. August) oder der Kammerphilharmonie Hamburg (11. August), diesmal im Verein mit der bejubelten Solistin Silke Aichhorn (Harfe).

Wie ernsthaft gerade junge Menschen an die Musik herangehen, werden wir auf beiden Seiten des Konzertpodiums erleben: einerseits haben wir das Landesjugendorchester Mecklenburg-Vorpommern zu Gast (an Bachs Todestag 28. Juli), andererseits in den Konzerten für Kinder und Jugendliche, die unter der Schirmherrschaft von Ministerin Brigit Hesse in der ersten Juliwoche stattfinden. Ideelle Partner wie schon in den letzten Jahren: die SOS-Kinderdörfer weltweit sowie die Amadeu-Antonio-Stiftung, die sich vehement für demokratische Werte und eine starke Zivilgesellschaft einsetzt.

So, wie der Schönberger Musiksommer die Kirchentüren weit öffnet, und Theater, Film, Literatur und bildende Kunst hineinlässt, so geht er auch selbst zur Tür hinaus: zwei Ausschwärmkonzerte stehen auf dem Programm (Selmsdorf 19. Juni und Lübsee 28. August) und ein Open-Air-Konzert mit den Potsdamer Turmbläsern zum Schönberger Stadtfest (3. Juli).

Während der Beginn des 29. Schönberger Musiksommers in gottesdienstlicher Form stattfindet, an den sich frohes Treiben rund um den Kirchplatz anschließt, wird am Ende (19. September) nach all den schönen Sommerabenden auf eine fühlbare Bündelung wert gelegt. In diesem Jahr hat sich der Chor die Aufführung einer jüdischen liturgischen Musik vorgenommen, die erste Komposition, die explizit für Kantorin und Ensemble entstand. Sie ist ein Werk des amerikanischen Komponisten David Schiff (Portland, Oregon) und wird in Europa erstmals aufgeführt. Für diese Produktion konnte Kantorin Mimi Sheffer gewonnen werden, die alle Beteiligten in die Musik sachkundig einführen wird.

Möchte man das Wesen des Schönberger Musiksommers mit einem Wort beschreiben, wäre es das Wort „Begegnungen“. Begegnungen zwischen Stilen von geistlich zu konzertant, von christlich über spirituell zu humanistisch, Monolog und Dialog, Übergang und Konfrontation, Begegnungen von Menschen in einem Raum, der das Jetzt erleben helfen lässt, weil er gleichzeitig darüber hinausweist.

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