Was uns bewegt - Schönberger Musiksommer; Foto: Heiko Preller
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Menschen, Musik und Begegnungen


Sjaella sind Botschafter SOS Kinderdörfer weltweit

Das Vokalensemble Sjaella aus Leipzig gab am Dienstag den 6. September 2016 nach sechsmonatiger Pause sein erstes Konzert vor ausverkauftem Haus in der Schönberger St.-Laurentiuskirche im Rahmen des 30. Schönberger Musiksommers. Ein magischer Abend - beeindruckend, beseelt, berührend und atemberaubend. Mit dem Start in die neue Konzertsaison, die Sjaella in den kommenden Wochen und Monaten unter anderem nach Meran, Düsseldorf. Berlin, Regensburg, Dresden, Konstanz und Washington D.C. führen wird, stellt sich das Ensemble auch neuen Aufgaben.
Seit 06. September 2016 ist Sjaella nunmehr offizieller Botschafter für die SOS-Kinderdörfer weltweit! Dr. Wilfried Vyslozil, Vorsitzender des Vorstandes der SOS-Kinderdörfer weltweit überreichte im Rahmen des Schönberger Konzertes die Ernennungsurkunde und hieß die jungen Ensemblemitglieder in der großen weltweiten SOS-Familie herzlich willkommen! 
Im Februar 2017 wird Sjaella im Rahmen einer Projektreise SOS-Einrichtungen in Israel und Palästina besuchen.
 
Foto: Heiko Preller

„Wenn ich heute zurückblicke ...

Mitte Juni 2016

Wechselhaftes, etwas kühles Wetter beim Start der Jubiläumssaison des Schönberger Musiksommers. Ein Schauer lässt die zahlreichen Besucher des Eröffnungsgottesdienstes wieder in die Kirche flüchten. Nicht lange zuvor erklang Manfred Schlenkers „Epitaph für Stephanus“ während des Gottesdienstes, sozusagen als Predigt, eingerahmt von Johann-Sebastians Bachs Kanate „Ich hatte viel Bekümmernis. Ob nun der prominente Gottesdienstbesucher Erwin Sellering, Ministerpräsident Mecklenburg-Vorpommers oder Manfred Schlenker, Kirchenmusiker und Komponist des aufgeführten Werks der prominenteste Gast der Eröffnungstage in Schönberg ist, lässt sich nicht bestimmen. Wer allerdings mit diesem wachen, beweglichen, 90jährigen großen Mann spricht, ist in den Bann gezogen. Der ehemalige langjährige Leiter der Kirchenmusikschule Greifswald und Kantor am Dom zu Greifswald hat während der DDR-Zeit zahlreiche Kirchenmusiker an seinem Institut ausgebildet. Vorher war er Kantor am Dom in Stendal. Helga Trölenberg sprach mit dem großen Mann der Kirchenmusik über seine Musik, die Ausbildung von Kirchenmusikern und moderne Kirchenmusik direkt nachdem er der Aufführung seines Werks beigewohnt hatte. 

Helga Trölenberg:
Was bedeutet es für Sie, Ihre Musik hier in der Schönberger Kirche zu hören?

Manfred Schlenker:
Das sind starke Eindrücke auf einem hohen Niveau. Wissen Sie, ich war ja Leiter der Bachwoche in Greifswald. Das hier ist mit der Bachwoche vom Niveau her zu vergleichen. Christoph Minkes beharrliche Arbeit mit dem Chor zeigt seine Früchte. Sogar doppelchörig wird gesungen.

Christoph D. Minke, der künstlerische Leiter des Schönberger Musiksommers und Kirchenmusikdirektor war einer der Schüler Manfred Schlenkers in Greifwald. Die beiden verbindet eine 30jährige Freundschaft. Schon mehrfach hat der Kantor aus Schönberg Werke des von ihm geschätzten Kollegen zu Gehör gebracht.  Zur Eröffnung des Schönberger Musiksommers hat Christoph D. Minke ein selten gespieltes Stück Schlenker aufgeführt, „Epitaph für Stephanus“. In dieser oratorischen Szene für zwei Chöre, Soli und Orchester geht es um die Steinigung des Stephanus, des ersten Märtyrers der christlichen Kirche. Das Stück hat überraschend aktuelle Bezüge. 

MS:
Christoph Minkes Grundhaltung ist eine stark gottesdienstlich-theologisch. Er hat sozusagen als Predigt mein Stück ‚Epitaph für Stephanus’ in Mittelpunkt gerückt – das aktuelle Geschehen in den Mittelpunkt. Zu meinem Erstaunen ist 25 Jahre nach der Uraufführung das Stück noch aktuell. Auch vom musikalischen her ist das Stück immer noch modern, obwohl man nach 25 Jahren ja nicht mehr von zeitgenössischer Musik sprechen kann. 

HT:
Wie hören Sie Ihre Musik?

MS:
Wissen Sie, ich mag es kaum sagen, ich höre meine Musik mit kompositorisch-kritischen Ohren. Wie klingt es, wenn alles zusammen kommt? Zu Hause beim Komponieren sitzt am Klavier, man hat ein E-Piano. Aber ob z.B. das Schlagwerk, das ja eine wichtige Rolle im Stück spielt, vielleicht zu laut ist, das hört man erst bei der Aufführung. 

Es spricht ein bescheidener, seiner Selbst bewusster Mann, der seine Musik immer noch zu verbessern sucht. Detailliert geht er auf einige Passagen ein und erklärt, was er meint. Dabei hatte die Komposition nicht immer diesen Stellenwert in seinem Leben. Nach einem Herzinfarkt 1987 gab er sehr plötzlich seine Leitungsfunktionen in Greifswald ab und fand in der Komposition den Arbeitsinhalt des vierten Lebensabschnitts.

MS:
Ich bin froh, dass ich die Zeit zum Komponieren hatte. Wissen Sie, ich war ja sehr beschäftigt in Greifswald, die Ausbildung der Studenten, die Bachwoche und viele Aufführungen. Dann hatte ich während einer Paulus-Aufführung (von Mendelsohn Bartholdy) einen Herzinfarkt. Und ich musste plötzlich raus aus den Ämtern, habe alles abgegeben. Damit war Platz für das Komponieren. Darüber bin ich heute froh. 

Dabei hatte Manfred Schlenker in Greifswald wahrlich viel zu tun: Ausbildung von Kirchenmusikern, Leitung der Greifwalder Bachwoche, Kantorenamt am Greifswalder Dom. Eine Vielzahl von Aufgaben lastete damals auf den Schultern. Und das in einer Zeit und in einem Land,  in der es die Kirchenmusik nicht leicht hatte.

HT:
Wie war es für Sie, in der DDR Kirchenmusiker auszubilden?

MS:
Es war wie das Beackern  eines etwas schwerfälligen Bodens, der aber fruchtbar war und sehr verunkrautet. Wir haben in der Zeit 107 Studenten ausgebildet. Und 70 davon sind ins Amt gegangen. Es war die Tugend der Not, denn wir haben Leute ausgebildet, die nichts anderes werden konnten. Und wenn ich heute auf die Zeit zurückblicke, dann kommt mir große Dankbarkeit entgegen, große Freude.

Man könnte lamentieren und sihc beklagen über die schwere Zeit als Verantwortlicher für Kirchenmusik in der DDR. Aber Manfred Schlenker bleibt nicht im Gestern, sondern nimmt das Positive und lebt es in der Gegenwart. 

HT:
Sie haben einen reichen Erfahrungsschatz. Welche Empfehlung haben heute für Kirchenmusiker und solche, die sich gerade in ihrer Ausbildung befinden? 

MS:
Ein Kirchenmusiker sollte in der Historie schon genau Bescheid wissen, alle 9 bis 23 Musikstile kennen, die Komponisten wie Luther, Schütz, Bach und alle anderen. Mindestens ein Auge sollte er offen halten für aktuelle Zeitströme aus Jazz oder Unterhaltungsmusik. Diese Offenheit ist wichtig. Das neue Musikgeschehen geht heute ja mehr in Richtung Unterhaltung. Leichtfertig swingende Musik ist zu sehr im Vordergrund. Der Kirchenmusiker muss sie aber alle kennen und darum wissen.
Dann muss er wägen, welche Musik er macht.

Große Verantwortung, die Manfred Schlenker den Kirchenmusikern zuschreibt, aber auch große Freiheit in der Ausübung von Musik. Die Freiheit der Musik spürt der Besucher des Schönberger Musiksommers, wann immer er ein Konzert besucht. Welche Musikrichtung auch immer, gute Musik und gefühlvolle, intensive Interpretation übermittelt die Botschaft der Künstler. Die zu verstehen und für sich zu interpretieren, ebenso wie die Botschaft eines Komponisten wie Manfred Schlenker ist das Eigentliche, das der Zuhörer leisten muss. Dass das mit Genuss und Freude geschieht, lässt sich leicht beim Besuch eines der Konzerte feststellen. Manfred Schlenker verdichtet das in seinem, ganz eigenen Verständnis von Musik.

MS:
Musik ist bestimmt durch den Rhythmus, die Harmonie und die Melodie. Der Rhythmus ist naturgegeben, der ist überall. Vom Weltraum bis hin zum Rhythmus unseres Körpers, dem Herzschlag. Die Harmonie ist von der Natur geschenkt in den Obertönen, z.B. durch den Wind und das Zwitschern der Vögel. Und die Melodie ist ein menschliches Produkt. Einfach und einstimmig, um alles zu erfüllen. Wenn alles drei zusammen kommt, dann ist das Musik. 

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