Was uns bewegt - Schönberger Musiksommer; Foto: Heiko Preller
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Menschen, Musik und Begegnungen


Willkommen zurück - Silke Aichhorn

Unser Konzertbesucher Karl-Heinz Entschel hat Silke Aichhorn wiederentdeckt und schreibt heute für unseren Blog.

Beim Stöbern im Konzertplan unseres 30. Schönberger Musiksommers entdeckte ich natürlich auch die Ankündigung des Konzertes am 21.6. mit Silke Aichhorn, einer „alten“ Bekannten.
Im Kurzporträt der Künstlerin fand sich ein Hinweis auf eine ganze Menge Youtube-Videos. Das machte mich neugierig und der Abend am PC wurde lang…
Man erfährt etwas über eine zierliche Frau, die nicht nur ihr Instrumentals Solistin perfekt beherrscht, sondern genauso die Zusammenarbeit mit Kollegen liebt und pflegt. Ebenso ist sie eine engagierte Lehrerin, die ihr Wissen und Können mit viel Humor weitervermittelt und Botschafterin für ihr Instrument. Genauso interessant ist es, Silke Aichhorn hinter der Bühne zu erleben. Da wird ein nicht gerade kleines Instrument „selbst ist die Frau“ gekonnt aus dem Auto und enge Treppen hochgewuchtet, da wird improvisiert, wo es an passenden Räumlichkeiten mangelt.
Schön, dass diese rundum sympathische Künstlerin in diesem Jahr wieder ihre Harfe in Bayern ins Auto packt, um uns hier im Norden mit einem Konzert zu erfreuen.
Ich werde mit Sicherheit dafür sorgen, dass es an diesem Abend einen freien Platz weniger in der Schönberger St. Laurentius Kirche gibt.

Zauberhafte Momente sind nicht kalkulierbar

Heiko Preller: Brita Rehsöft und Schönberger Musiksommer, das gehört fest zusammen. Wie kam es dazu?

Brita Rehsöft: In Schönberg aufgewachsen kam ich immer auf dem Weg über den Markt zur Eisdiele an der Kirche vorbei. Als ich dort im Schaukasten auf einem Plakat sah, dass das Mozart Requiem aufgeführt wird, hat mich das sehr begeistert.
Zu der Zeit habe ich schon in Rostock Musik studiert. So war mein musikalisches Interesse geweckt, denn ich wusste, bei diesem wunderbaren Requiem ist ein Chor, ein Orchester und sind Solisten beschäftigt – also eine anspruchsvolle musikalische Arbeit.
Der Weg in die Kirche, auf die Gemeinde zu, war dann nicht mehr weit.

H.P.: Wie wichtig ist Dir musikalisches Miteinander? Oder trittst Du lieber als Solistin auf, die Wert legt auf hochwertige musikalische Begleitung?

B. Rehsöft: Ich singe einfach gern, experimentiere und gehe gern an Grenzen. Jazz, Experimentelles, Improvisation, das alles reizt mich. Etwas zu tun was man zuvor noch nie getan hat, darum geht es mir.
Ich mache wahnsinnig gern alte Musik. Und arbeite da auch mit Spezialisten dieses Faches. Wenn ich mit denen zwischendurch auch mal „Take Five“ von Dave Brubek anstimmen kann und wir verstehen uns auch auf dieser Ebene, dann weiß ich, das sind die richtigen Musiker. Die würden sich auch nicht erschrecken, wenn ich plötzlich im Liegen singe, weil ich gerade etwas ausprobieren möchte. 

H.P.: Was glaubst Du sind die Stärken des Musiksommers?

B. Rehsöft: Ich finde es wichtig, dass die Organisation klein und beständig ist. Christoph Minke ist ein sprühender kreativer Geist, der inspiriert und Mut hat zu verbinden. Er hat den Anspruch, Vielfalt in sein Kirchenhaus zu holen.
Der 30ste Musiksommer ist schon sehr groß mit vielen Facetten: Jugend, freie Musik, Jazz, Film (darum kümmert sich Christoph Rathke, das ist sein Baby), das ist ein breiter Bogen. Wir alle, die wir beteiligt sind geben dem Ort Schönberg etwas, schaffen einen Ausgangspunkt und säen damit den Samen. Was daraus wird, kann man jedes Mal neu erleben.

H.P.: Es gibt z.B. am 30. August die Kammermusiknacht mit Martina Trump und Andreas Voss. Sie werden Bach, Schumann oder Brahms spielen, und das von verschiedenen Orten innerhalb der Laurentiuskirche. Das Publikum kann während des Konzertes und in den Pausen mehrmals den Platz wechseln und auch mit den Musikern reden.
Ähnlich hältst Du es auch als Dozentin, machst viel mit Kindern und Nachwuchskünstlern in Deiner Singschule, förderst sie, bestärkst sie und versuchst ihnen nicht nur Gesangsunterricht zu geben. Warum?

B. Rehsöft: In meiner Arbeit habe ich immer das Gefühl, man muss mit den Menschen etwas tun. Man bekommt sofort etwas zurück. Da kann so viel Energie wieder auf den Musiker zurück fließen. Wandelkonzerte sind ja gerade dazu da, den Raum in seinen unterschiedlichen Klangereignissen und Beschaffenheiten zu erleben.

H.P.: Wenn Du ein klassisches Solo singst und das Publikum würde spontan nach Deinem Gesangspart klatschen, wie man das von Jazzkonzerten kennt wenn ein Solo zu Ende ist, würdest Du das begrüßen?

B. Rehsöft: Nein. Klatschen ist hoch percussiv. Das unterbricht. Ich habe auch einmal was sehr Interessantes in einem Konzert erlebt, in dem es extra still sein sollte, also kein Klatschen, keine verbalen Reaktionen. Man hatte sich auf wedelnde Handbewegungen als Reaktion verständigt. Das war auch nicht einfach. Wenn alle wedeln, ist das ein sehr bewegtes Bild. Es macht groß was her. Und ist optisch laut.
Wenn das Publikum mitsingt oder es atmet und man spürt die innere Beteiligung, dann bindet sich das in den Fluss der Musik ein. Klatschen ist wie schlagen. Das ist ein sehr starker Kontrast während eines Konzertes. Nach dem Konzert ist ein klatschendes Publikum fantastisch!

H.P.: Du singst zur Eröffnung. Was wirst Du singen?

B. Rehsöft: Ich singe unter anderem in der Bach-Kantate »Ich hatte viel Bekümmernis«. Es wird die Fassung für Sopran und Bass musiziert. Da sind zwei Arien eigentlich für Tenor. Die darf ich auch singen. Da kann ich innerlich einen großen Bogen durch die gesamte Kantate ziehen.

H.P.: Wie hältst Du den richtigen Spannungsbogen bis zum eigentlichen Konzert?

B. Rehsöft: Ich habe ja meinen Körper immer dabei und kann überall singen oder mich in meiner Verfassung zur Musik üben, mich in die Musik hinein denken. Das ist anders als ein Instrument, das man in die Hand nehmen muss um es zu spielen. Es geht um das Anwesend-Sein in den Inhalten. Wenn es soweit ist und ich dann singe, ist es als würde ich ein Ventil öffnen. 

H.P.: Spürt das auch Deine Familie, dass Du Dich mit all Deinem Sein auf die anstehenden Auftritte vorbereitest?

B. Rehsöft: (lacht) Ich glaube, die kennen mich nicht anders. Meine Kinder singen Gott sei Dank auch. Es kommt aber auch mal von den Kindern: »Laß mich jetzt mal NDR 2 anmachen, ich muß mal was anderes hören, Mama.« (lacht wieder)

Ich spiele zu Hause nicht ständig eine Rolle. Wenn ich dann aber zu einer Probe gehe, dann weiß ich, ich darf jetzt in eine Rolle schlüpfen. Das mache ich dann auch. Ganz konzentriert.

H.P.: Du bist Dozentin, Sängerin, spielst professionell Gitarre. Und jetzt organisierst Du auch eigene Konzerte. Warum? 

B. Rehsöft: Ich möchte Gesang in vielfältigster Art ausprobieren und mit unterschiedlichsten, auch spartenfremden Musikern zusammen arbeiten. Ich bin immer neugierig was sich da für die Stimme ergibt. Und ich möchte schauen wie ich das auf die Instrumente übertragen kann was da passiert.

H.P.: Du gibst 2016 erstmals eine eigene Konzertreihe, die den Titel »ODEN ZUR NACHT – Kleinode des Nordens« trägt und  an drei Abenden in den Kirchen in Carlow, Kirch Grambow und Schlagdsorf stattfindet. Warum bist Du selbst die Veranstalterin?

B. Rehsöft: Ich komme hier aus der Gegend und möchte Kleinode zum Klingen bringen. Ich habe mir dabei eine eher untypische Konzert-Uhrzeit gesucht, 22:30 Uhr. Üblich ist ja eher 20 Uhr. 22:30 Uhr ist früher immer der Moment gewesen in dem ich musikalisch losgelegt habe, wenn ich nicht bis halb elf eingeschlafen bin.
Es ist auch etwas Besonderes zu der Zeit zu arbeiten, zu der viele Menschen schlafen. Der, der gerade nicht schläft, kann plötzlich etwas ganz anderes erleben. Es ist alles reduziert: keine Sonne, vielleicht ist es neblig, die Nacht umhüllt alles, das ist wie ein Ruhepunkt. Alles scheint offen, neue Dinge können passieren.

H.P.: Aber warum gehst Du mit dieser Veranstaltungsreihe gerade in Kirchen?

B. Rehsöft: Ich möchte da ansetzen, wo ich mich musizierend in den letzten Jahren hauptsächlich aufgehalten habe. Und das sind Kirchen. Mit „Kleinode“ meine ich im Moment die sehr verschiedenen wunderbaren Dorfkirchen der Umgebung.

H.P.: Was ist das Besondere dieser Orte?

B. Rehsöft: Jeder Kirchenort hat eine eigene Ruhe. Es sind Orte an denen Trost gespendet wird und sich Gelassenheit ausbreiten kann. Ich möchte, dass Menschen, die vielleicht wegen des Glaubens gar nicht in die Kirche gehen, plötzlich zu einer solchen Veranstaltung kommen.
In meinen Konzerten gibt es ja auch nicht nur durchgängig Musik. Es gibt Ruhe, oder auch Lyrik zwischendurch.

H.P.: Möchtest Du vor allem die Auseinandersetzung mit dem Publikum haben, den Diskurs?

B. Rehsöft: Ja, genau. Oft ist dann das Denken abgeschaltet und es entsteht eine Transformation in einen anderen Zustand. Es kommen zauberhafte Momente zustande. Manchmal ist es nur ein Moment in solch einem Konzert. Aber der ist es dann. Es ist nie kalkulierbar ob es wirklich dazu kommt. Ich kann darauf hinarbeiten. Und wenn sich das Publikum darauf einlässt, entsteht ein solcher Moment.

H.P.: Was wäre denn das schönste Ergebnis für solch einen Moment?

B. Rehsöft: Vielleicht, dass die Menschen sich kurz von sich selbst entfernen. Manchen kann man das ansehen wenn es passiert. Ich glaube, darauf kommt es an wenn man Kunst macht. Dass man ein Ventil öffnet, das es vorher noch nicht gab und den Menschen Empfindungen gibt, die sie so noch nicht kannten.

H.P.: Noch einmal kurz zum Musiksommer: wie stellst Du Dir die Zukunft des Musiksommers vor, wenn Du weiterhin dabei bist?

B. Rehsöft: Wichtig ist Vielfalt. Und das Kleinbleiben des gesamten Rahmens. Ich durfte gesanglich schon so viel ausprobieren. Da habe ich nichts was ich mir speziell wünschen würde. Ich würde mich einfach freuen wenn ich weiter mitmachen darf. 

H.P.: Vielen Dank, Brita Rehsöft.

Das Interview führte Heiko Preller

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